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  • Ein Warnschuss / Bloss nicht übertreiben

    Ein Warnschuss / Bloss nicht übertreiben

    Die letzten Wochen habe ich es wohl ein wenig mit Aktivitäten übertrieben und jetzt die Quittung dafür bekommen. Donnerstag saß ich am abend auf der Terasse, über 20 Grad und ich friere. Also mal kurz zum Fieberthermometer gegriffen und ziemlich erschrocken. So kurz vor 40, kein Wunder das ich friere. Aber außer einer leichten Übelkeit, keine wirklichen Symptome. Also ab ins Bett. Am Freitag morgen bin ich dann mit einem Kopf, so kurz vor dem Platzen, komplett geschlossenen Nebenhöhlen, einem Hals wie Sandpapier und immer noch recht hohem Fieber aufgewacht.
    Also habe ich mich über den Dok und den Lieferservice der Apotheke mal mit allem was der Erkältungsmensch so braucht, zur Sicherheit (vor dem Wochenende) versorgen lassen und bin sofort wieder ins Bett. Ich habe dann fast 24 Stunden mehr oder weniger durch geschlafen und erst mal noch keine Medis geschluckt. Als Kind konnte ich mich auch manchmal einfach gesund schlafen und nachdem die letzten Wochen wirklich anstrengend waren, ist das ja vielleicht auch einfach nur ein Warnschuss meines Körpers, jetzt mal wieder auf Erholung und Ruhe zu schalten.
    So wie es mir jetzt geht, hatte ich wohl recht. Diese Erkältungssymptome sind weitgehend verschwunden. Ein klein bisschen Husten und im Bauch noch immer ein wenig flau. Aber das Fieber ist fast weg, die Nebenhöhlen sind frei und der Kopf tut nicht mehr weh.

    Ich habe in den letzten Wochen hier recht wenig geschrieben, eben weil ich reichlich eingespannt war. Der Endokrinologe wollte mich mal wieder sehen und die Blutwerte kontrollieren und so ähnlich verlief es auch beim Onkologen. Der Garten verlangt zur Zeit einiges an Pflege und Einsatz, was ich sehr gerne mache. Na und dann habe ich ja auch noch einen kleinen Haushalt und sollte Kochen, Einkaufen, Wäsche machen und eben das Übliche.

    Zu dem Ehrenamtkind und meinem größeren Hütekind, wurde ich vor ein paar Wochen von einer jungen Frau (mit Migrationshintergrund) in einer wirklich schlimmen Notsituation um Hilfe angsprochen.
    Deren Kinder sind knapp sechs und sieben Jahre, entwicklungstechnisch aber weit hinterher und noch nicht in der Schule. Ich mag hier jetzt nicht die gesamte Situation schildern, aber es ist so schlimm, dass ich nicht nein sagen konnte. Nach ein paar Terminen dort zuhause, habe ich die Situation weitgehend erfaßt und bin, mit der Mutter zusammen, dabei sinnvolle professionelle Hilfe zu organisieren. Ich kann mich zwar ab und an mal um die Kinder kümmern, aber das, was da an Hilfe und Unterstützung wirklich notwendig und sinnvoll ist, kann ich nicht leisten.
    Ich helfe jetzt das alles zu organisieren und muß mich dann da wieder ein ganzes Stück rausziehen. Die letzten Tage haben mir gezeigt, dass das einfach über meine psychischen und physischen Fähigkeiten geht.
    Vier bis fünf Kinder-hüten und Mutter-helfen Termine pro Woche, sind einfach zuviel. Ob mir das nun paßt oder nicht. Außerdem laufe ich durch den häufigen Kontakt mit Kindern auch einfach Gefahr, mich mit den in diesem Alter ja absolut normalen und ständigen grippalen Infekten anzustecken. Das war es diesmal wohl nicht wirklich, aber es war knapp, sehr knapp. Nach so vielen Jahren Dauerchemotherapie, könnte so ein Infekt für mich wirklich verhängnisvoll werden und das muß ja nicht sein. Ich werde also meine Tätigkeiten da wieder auf ein kleineres Maß runterfahren müssen. Zwei Mal pro Woche ist ok, aber mehr geht eben dauerhaft einfach nicht.
    Es ist nicht leicht für mich. Ich sehe, gerade in der neuen Familie die wirklich große Not und den Bedarf, aber ich hoffe, das mit der professionellen Hilfe klappt zügig und ich kann dann da wieder weitgehend aussteigen. Die Leute für die ich normalerweise ehrenamtlich tätig bin, können hier nicht eingesetzt werden, weil die Kinder schon zu alt sind. Also mußte ich mir etwas anderes einfallen lassen und bin fündig geworden. Jetzt muß die Mutter tätig werden und einen einzigen Arzttermin machen um sich eine entsprechende Verordnung ausstellen zu lassen . . . . dann können die Profis innerhalb von vier Tagen loslegen und das tun, was für die Familie wirklich hilfreich ist. Mit ein wenig Kinder hüten ist der Mutter zwar kurzfristig mal geholfen, aber das ändert an der grundsätzlichen (fürchterlichen, mich auch sehr belastenden) Situation eben nichts und genau das ist eigentlich dringendst notwendig.
    Jetzt stehen Alle schon fast Gewehr bei Fuß und wir hoffen, die Mutter bekommt diesen einen, dringendst erforderlichen Termin zügig gebacken.
    Die Tatsache, dass sie mich, eine völlig fremde Person, um Hilfe angesprochen hat, ist ein gutes Zeichen (ich saß mit dem großen Hütekind im Bus neben ihr). Sie ist sich bewußt, dass Hilfe notwendig ist und diesen Menschen kann man dann auch meist helfen . . . . nur eben ich nicht wirklich.

    Es ist schon komisch. Über das Ehrenamt komme ich in Familien die meist recht gebildet sind, (bei mir fast immer Pädagogen,) und diese ehrenamtliche Hilfe, „eigentlich“ nicht wirklich (auch nicht wirtschaftlich) benötigen.
    Die Menschen, die das wirklich benötigen würden, empfinden „Hilfe annehmen“, als eigene Inkompetenzerklärung und haben Angst vor „Kontrolle“ und „Vorschriften“. Das ist zwar völlig blödsinnig, aber genau diesen Menschen einfach nicht zu erklären. Das ist auch bei den Treffen der Ehrenamts-Aktiven immer wieder Thema und wir wissen nicht wirklich, wie man besser an die Menschen, welche wirklich diese Hilfe dringend nötig hätten, rankommt.
    Wir kontrollieren nichts, wir haben nicht viel Papierkram. Wir entlasten einfach nur die Mütter/Väter/Eltern ein paar wenige Stunden pro Woche. Wir kümmern uns in dieser Zeit um die Kinder (bis zum ersten Lebensjahr). Fahren den Kinderwagen durch die Gegend, unternehmen sonst was, oder bespaßen die Kids zuhause. Nicht mehr und nicht weniger.

    Freitag mußte ich dann leider den Termin mit meinem großen Hütekind wegen dieser körperlichen „Krise“ absagen. Mit knapp 40 Fieber hüte ich keine Kinder und fahre vor allem auch nicht mit dem Roller durch die Stadt.
    Das werde ich noch das ganze Wochenende weitgehend so weitermachen und hoffe, bis Montag alles überstanden zu haben. So eine Fieber-Erkältungs -Woche, wie letztes Jahr in der Reha, kann ich nämlich jetzt wirklich nicht brauchen.
    Das Wetter spielt auch mit. Nach ein paar sehr warmen Sonnentagen ist es heute recht dunkel, Blitz und Donner und ein bisschen Weltuntergangsstimmung . . . . da läßt sich gut und ohne schlechtes Gewissen schlafen. Zumal ich in meinem Wasserbett sowieso schlafe wie ein Baby.
    Und jetzt geh ich wieder ins Bett.

  • Alles, aber keine Langeweile

    Alles, aber keine Langeweile

    Auch wenn ich hier zur Zeit nicht viel schreibe, es geht mir gut.
    Es geht mir eigentlich sogar sehr gut . . . wenn man die medizinisch feststehenden Tatsachen mal vergißt. So wie es mir zur Zeit geht, fällt das Vergessen auch gar nicht schwer.

    Ich bin dauernd unterwegs. Ich habe viele Termine, aber da sind so gut wie keine Ärzte oder Kliniken dabei. Ab und an muß ich mal Rezepte holen, oder Blut abnehmen lassen, aber das geht in wenigen Minuten und die Wartezimmer sehe ich kaum. Die größeren medizinischen Dinge stehen erst wieder Ende Sommer auf dem Plan. Da ist dann das nächste Staging und ein erneuter Stentwechsel muß dann auch wieder sein. Aber bis dahin, versuche ich alles was mit Ärzten zu tun hat, zu vermeiden.

    Die Zeiten mit den Kindern machen viel Spass und tun mir gut. Die Kids /Babys wissen natürlich von meinen medizinischen Dingen nichts und der Krebs hat dort keinen Platz. Die Mutter meiner ganz neuen Ehrenamtfamilie hat gewaltige Probleme mit ihrem Handgelenk und muß viel Physiotherapie machen. Das ist mit einem knapp neun Monate alten Baby nicht wirklich zu machen. Also übernehme ich den Wonneproppen in dieser Zeit. Außerdem möchte die Familie gerne umziehen und ist auf Wohnungssuche. Da finden die Besichtigungstermine oft zu Zeiten statt, die mit Baby einfach nicht zu machen sind. Also springe ich auch hier ein. Der Kleine ist ein friedlicher und ausgeglichener Wonneproppen. Er lacht und freut sich über sich im Wind bewegende Blätter an Bäumen und Sträuchern. Er hat seine Stimme entdeckt und testet jetzt mal was die so alles kann. Von Räuspern über Hüsteln bis Quietschen und Brummen. Das alles beim Spaziergang aus dem Kinderwagen raus. Das ist auch für mich sehr unterhaltsam und der Kleine benötigt fast keine Bespassung. Natürlich fliegt immer mal wieder irgendein Spielzeug aus dem Wagen, weil es so toll ist, wie die Erwachsenen dann sofort auf Tauchstation gehen, aber das hält sich in Grenzen.
    Der größere meiner Leih-Jungs, will immer irgendwas essen und sucht sehr körperliche Nähe. Durch drei weiter Geschwister zuhause, kommt er da wohl ein klein bisschen zu kurz. Da er ja schon vier Jahre alt ist, kann ich mit ihm natürlich ganz andere Dinge unternehmen als mit dem Baby. Er ist sehr interessiert an wirklich allem und ich muß sehr, sehr viel erklären. Aber er hört sehr aufmerksam zu und merkt sich auch fast alles. Da erklärt man gerne und gründlich.
    Vieles erinnert mich an die Zeit als mein Sohn noch Baby und dann Kleinkind war. Aber das ist lange her und Oma werde ich nicht werden.
    „Leih-Oma“ per Ehrenamt, finde ich für Oma, völlig ausreichend. So habe ich keinerlei Aktien in Erziehung, was das noch entspannter macht. Ich finde das Amt der „Leih-Oma“ gut. Es paßt und macht mir und den Kindern Spass. Gleichzeitig sind die Eltern entlastet, was dem jeweiligen Kind am Ende auch wieder zugute kommt.
    Eventuell kommt da jetzt noch eine Familie mit einem Geschwisterpärchen von sechs und sieben Jahren dazu, aber das steht noch nicht fest und ich will erst mal sehen ob das paßt. Ich möchte mich zeitlich jetzt nicht übernehmen. Drei Familien sind dann vielleicht doch ein bisschen zuviel. Aber ich schau mir das mal an und werde prüfen, wie hoch da der Aufwand für mich sein würde.

    Naja, dann gibt es natürlich jetzt viel im Garten zu tun. Alles wächst und gedeiht. So ganz langsam entwickelt sich mein Garten da hin, wo ich ihn haben wollte. Als ich hier eingezogen bin, wurde ich, wegen der Krebssituation gefragt ob sich Einpflanzen überhaupt lohnt und natürlich habe ich mir diese Frage auch immer mal wieder gestellt. Wie man sieht, es hat sich gelohnt und es lohnt sich auch weiterhin. Sterben steht wohl doch noch nicht ganz so schnell wie gedacht auf meinem Timer. Es steht da immer noch, aber nicht mehr so ganz deutlich und ein wenig unklarer.
    So deutlich ich das anstehende Sterben schon gefühlt habe, so weit ist es jetzt auch wieder in den Hintergrund gerutscht. Warum auch immer. Darüber denke ich nicht wirklich nach. Ich glaube es ist eine Mischung aus vielen unterschiedlichen Komponenten und da lassen sich nicht viele einzelne Punkte so wirklich festmachen. Aber ich empfinde meinen augenblicklichen Zustand in jeder Hinsicht als großes Glück, für das ich sehr dankbar bin.

    Zusätzlich habe ich tolle Freunde in meinem Umfeld. Diese Freunde helfen mir in blöden Situationen immer wieder auf die Beine und stabilisieren mich dann auch.
    Meinen augenblicklichen Zustand verdanke ich aus meiner Sicht zu einem großen Teil, der neuen Schmerzmedikation, welche ich ohne eine liebe Freundin nicht so leicht erhalten hätte.
    Dass ich diesen Zustand auch wirklich nutzen und geniessen kann, verdanke ich einer anderen lieben Freundin, die mir meine Mobilität ermöglicht hat. Was auch ein ganz, ganz großes Glück für mich darstellt.
    Ohne den aktuellen Zustand und die wiedererlangte Mobilität, wäre nicht mal die Hälfte meiner Termine möglich. Da sehe ich mich als ganz großen Glückspilz.

    Meine Katzenlady geniesst auch die schönere Jahreszeit und ist wieder mehr draussen. Allerdings bedeutet das auch, mehr Mäuse. Sie scheint eine gute Jägerin zu sein, auf jeden Fall ist sie nach weniger Minuten im Garten schon mit Maus im Maul wieder zurück. Aber sie spielt diese Mäuse nicht nur tot, sondern sie verdrückt sie dann auch. Ansonsten fände ich das unmöglich. Es ist so schon nicht wirklich pralle, aber eben Natur. Katzen die Mäuse nur totspielen und dann liegen lassen, finde ich doof.
    Sie entwickelt sich nach wie vor immer ein bisschen weiter. Wirkliche Zusammenstöße hatten wir jetzt schon länger nicht mehr und wenn, fallen sie doch deutlich sanfter als früher aus. Es gibt inzwischen auch Menschen außer mir, die sie an sich ranläßt. Ein paar Freunde die regelmässig hier sind, werden inzwischen auch von ihr mehr oder weniger begrüßt und akzeptiert. Aber nicht Jeder, sie ist da recht wählerisch.
    Mit Artgenossen ist sie unverändert pissig. Wer sich in die Nähe traut, wird sofort vertrieben und da kann die alte Lady dann ganz schön Gas geben.
    Die Hunde in der Umgebung kennen meine Lady inzwischen auch. Hier laufen die oft ohne Leine an der Straße und wenn sie meine Lady entdecken, geht die Jagd los. Aber die Wauzis sind ganz regelmässig einfach zu langsam und machen dann recht dümmliche Gesichter. Der alten Lady scheinen diese Spielchen zu gefallen, denn sie könnte, wenn sie wollte, dem ja auch komplett aus dem Weg gehen. Tut sie aber nicht.
    Also bei mir hier ist alles rundum voll im grünen Bereich.

  • Mobilität, Unabhängigkeit und Alltag

    Mobilität, Unabhängigkeit und Alltag

    Ich war jetzt einige Monate ohne eigenes Fahrzeug. Das heißt für mich, ich kann nicht wirklich alleine einkaufen gehen. Wegen der Knochenmetastasen darf ich Schweres nicht tragen. Ein Hackenporsche ist auch keine Lösung. Denn man bekommt diese Dinge, gerade wenn sie schwer beladen sind, nicht gut in den Bus. Selbst die Treppenfähigkeit der teueren Exemplare ist gerade beim Bus, so überhaupt keine Hilfe. Also muß ich, für die schweren Dinge immer Hilfe in Anspruch nehmen. Das ist auf Dauer ganz schön nervig.
    Egal welcher Termin ansteht, ohne eigenes Fahrzeug, ist das alles sehr zeitaufwendig. Alle Strecken mit den öffentlichen Verkehrsmitteln dauern mindestens doppelt so lange.

    Über die Umstände, warum ich plötzlich ohne Fahrzeug war, habe ich damals aktuell gepostet. Was da nun wirklich dahinter steckte, ist mir bis heute schleierhaft. Ich wollte hier auf jeden Fall keinerlei Kontakt oder sonstige Verbindungen. Die bestehende Verbindung über den Roller, war mir eigentlich sowieso unangenehm.
    Ich habe also das angebotene, angebliche Geschenk abgelehnt und mich nicht darauf eingelassen, irgendetwas zu unterschreiben. Nachdem hier in einer nächtlichen Aktion das Nummernschild abgeschraubt wurde, war ich endgültig durch mit dem Thema. Ich wurde dann noch eine zeitlang übelst beschimpft, versucht Freunde einzuschalten und mir eine Werkstatt (wo das Ding wohl gelandet ist,) auf den Hals zu hetzen, aber inzwischen ist endlich Ruhe eingekehrt.

    Glücklicherweise habe ich in meinem Freundeskreis Menschen, die sehen, wenn es bei mir klemmt und mir ohne die Erwartung von Gegenleistungen, einfach helfen. So auch in diesem Fall.

    Ich bin wieder mobil. Ich habe einen Roller. Der Roller ist genau das, was für mich in meiner Situation am praktischsten ist. Ich bin unabhängig von den öffentlichen Verkehrsmitteln, habe ein Dach über dem Kopf und einen Kofferraum für Einkäufe. Er kann 80 kmh fahren und ist damit im öffentlichen Verkehrsraum kein Hindernis. Für die Stadt und meine Bedürfnisse, einfach optimal. Alleine meine Einkäufe selbst erledigen zu können, ist ein Stück Freiheit. Weniger Zeit für den Transport zu Terminen zu benötigen, macht mich flexibler. Ich kann auch mal spontan einfach irgendwohin, ohne vorher nachsehen zu müssen, wann und wo, welcher Bus oder welche Bahn fahren.
    Das Fahrzeug findet man im Internet unter der Bezeichnung Palmo oder Venturino. Es ist aber immer das gleiche Fahrzeug, egal welcher Name. Es ist ein chinesisches Modell, welches man hier recht selten sieht. Leider sind Material und Verarbeitung nicht unbedingt von der besten Qualtiät, aber ich habe jetzt eine Werkstatt, die sich damit auskennt und ehrlich arbeitet. So ein klein bisschen kenne ich mich inzwischen auch damit aus.
    Die vorherige Werkstatt hat mich mehrmals heftig über den Tisch gezogen. So wurde mir z. B. eine mind. 1000 Euro teure Bremsenreparatur angekündigt. An dem Tag wurde mir das Fahrzeug dann ohne einen Tropfen Bremsflüssigkeit übergeben. Das habe ich aber leider erst später an dem Tag bemerkt und sofort behoben. Ansonsten war nachweislich überhaupt nichts defekt. Da wurde also ganz absichtlich ein Schaden provoziert. Sorry, aber so lasse ich nicht mit mir umgehen und diese Werkstatt habe ich natürlich nicht mehr betreten. Ich muß dazu noch erwähnen, dass der Betreiber der Werkstatt Leukämie hat und wir mehrfach über unsere „Krebsgeschichten“ gesprochen haben. Dann derart übel verarscht zu werden, nehme ich erst recht persönlich. Im Nachhinein möchte ich nicht wissen, was bei den bis dahin durchgeführten angeblichen Reparaturen schon an Beschiss stattgefunden hat.

    Jetzt bin ich da in wesentlich kompetenteren und vor allem auch ehrlichen Händen. Außerdem ist das auch eine im Bedarfsfall,mobile Werkstatt, d. h. wenn ich mal irgendwo mit der Kiste stehen bleibe, kann im Notfall vor Ort Hilfe geleistet werden. Da das Fahrzeug drei Räder hat und recht hoch ist, gestaltet es sich nämlich gar nicht so einfach ihn „abzuschleppen“, bzw. auf einen Transporter zu verfrachten um in eine Werkstatt zu kommen. Da macht es viel Sinn, einen mobilen Schrauber an der Hand zu haben.

    Jetzt bin ich wieder mobil, freier, unabhängiger und mit einer zuverlässigen Werkstatt im Hintergrund ausgestattet.

    Trotz meiner, von den gesundheitlichen Tatsachen ausgehend, schlechten Lebensprognose, geht es wieder positiv weiter.

    Der Kleine den ich diese Woche wieder gehütet habe, fand es auch toll, dass ich wieder so ein ausgefallenes Fahrzeug habe. Er hat mit dem großen Bruder gleich mal wieder eine Fantasie-Fahrt gestartet. Die Jungs finden es auf jeden Fall toll, immer mal wieder Probe zu sitzen und Fahren zu spielen. Die letzten Monate war das nicht möglich, also mußte jetzt entsprechend gründlich nachgeholt werden.
    Mein Ehrenamt läuft auch weiter. Diese Woche lerne ich wieder die neue Familie kennen, welcher ich die nächsten Monate ein wenig unter die Arme greife. Die letzten drei Monate habe ich mit dem Ehrenamt pausiert. Medikamentenbeschaffung und –Umstellung und auch sonst viele Termine die ich mit recht viel Zeitaufwand mangels individuellem Fahrzeug, wahrnehmen mußte, hat das einfach nicht zugelassen.
    Jetzt läuft alles wieder rund und ich kann mich über meinen Alltag nicht beschweren.

    An den juristischen Fronten geht alles seinen Gang. Dank der eingeschalteten Fachleute, muß ich mich damit nur sporadisch beschäftigen.

    Gesundheitlich gibt es keine Aufreger oder Neuigkeiten. Alle Pillen vorhanden, Zustand so weit, weiter stabil. Mein Schlaf ist weiterhin so gut wie vor fast dreissig Jahren und für mich fast wie ein Wunder. Das gibt mir Kraft und Energie, die Tage zu füllen und viel zu erleben.

    Die Kopfbilder aus Wien sind noch sehr lebendig und ich denke sehr gerne an diese rundum wunderbaren Tage.

    Für mich kündigt sich ein toller Sommer an. Liebe Besuche haben sich angekündigt und ich habe noch ein paar kleinere Reisen in Planung. Noch nichts fest ausgemacht, aber mal angedacht. Ich will wieder mal nach Berlin zu einer Party/Konzert. Eventuell gegen Ende Sommer zu einem Festival an der Ostsee . . . . mal sehen was sich ergibt und paßt.

  • Erwartungen

    Erwartungen

    Es ist manchmal wirklich schon fast lustig was man als chronisch und unheilbar kranker Mensch so alles zu hören/lesen bekommt.
    Ich habe mit dem vorigen Eintrag zu Männerkleidung, seit langem mal wieder einen Eintrag geschrieben der so gar nichts mit Krebs, Krankheiten oder sonst medizinischem zu tun hat.
    Gelesen haben das sehr viele Menschen. Aber es gab nur zwei Kommentare und in einem wurde ich gefragt, ob mir langweilig sei.
    Die Erwartungen, wie sich ein Kranker in meiner, oder einer ähnlichen Situation zu verhalten hat, sind sehr unterschiedlich.

    Im direkten Umfeld wird oft erwartet, dass man niemanden mit seiner Situation belastet/belästigt. Möglichst nicht viel darüber spricht und tut, als sei alles wie immer. Am besten ist es, wenn man dem betroffenen Menschen auch nichts ansieht. Gesund aussehen und so tun als sei man gesund ist die beliebteste Erwartung. So machen das ja auch die Promis vor. So muß sich im Umfeld niemand mit seiner eigenen Endlichkeit auseinander setzen und man „belastet“ nicht. So muß sich darüber nachdenken, ob Hilfe oder Unterstützung notwendig wäre und man kann so tun, als sei alles wie immer und vorher.
    Wenn es einem Menschen dann ganz offensichtlich, richtig schlecht geht, soll er am besten in einem Krankenhaus oder ähnlichem verschwinden und die gesunde Welt nicht mit seinem Anblick und seinen Bedürfnissen belasten. Also persönlich damit zu tun haben möchte kaum jemand. Je näher das Thema Sterben kommt, umso weniger möchte die Allgemeinheit damit zu tun haben.
    In Blogs oder Büchern darüber lesen, ist natürlich etwas ganz anderes. Das kommt mir sehr oft so vor, wie die Situation bei Unfällen auf der Straße. Ich habe ganz deutliche Anstiege von Klickzahlen, sobald es mir schlechter geht und ich davon schreibe.

    Von einem „Krebs“-Blog , wie dem meinigen, wird offensichtlich erwartet, dass ich mich nur und ausschliesslich mit Themen befasse, die auch mit Krebs, Krankheit, Sterben irgendwie zu tun haben. Die Tatsache, dass man mir nicht mehr sehr viel Lebenszeit vorhergesagt hat, läßt Menschen annehmen, ich würde mich jetzt nur noch und ausschliesslich mit grundlegenden Themen und meiner Endlichkeit beschäftigen.

    Ich muß Euch enttäuschen.

    In meinem Umfeld wissen Alle über meinen Zustand und meine Prognose Bescheid. Es ist völlig selbstverständlich, dass mein Alltag zu einem gewissen Teil, aus diesen Themen besteht. Es ist auch normal, dass darüber gesprochen wird. Nicht ausschliesslich und immer, aber oft und deutlich. Wer damit nicht klarkommt, gehört nicht zu meinem Umfeld.
    Ich höre mir ja auch die Berichte, Erzählungen von Freunden und Bekannten über deren Alltag an. Spannend oder irgendwie begeisternd finde ich manche Erzählungen über deren Arbeitsalltag, Familie, Kollegen usw. nicht immer. Aber so ist eben deren Alltag. Der besteht manchmal aus anderen Dingen als bei mir und man spricht darüber.
    Mein Alltag besteht eben oft aus Dingen die mit Krankheit und Sterben zu tun haben. Das gehört ebenso selbstverständlich dazu. Das ist für mein Umfeld aber ganz normal und man hört sich gegenseitig zu und bespricht vieles. Sowohl über deren Arbeits- und Familienalltag, als auch über meinen Alltag mit und ohne Krankheiten.
    Selbstverständlich besteht ein großer Teil meines Alltages aus Dingen die mit meiner Situation zu haben. Tabletten, Arzttermine, aktuelles Befinden. Aber eben nicht nur. Auch mein Alltag besteht aus alltäglichen Dingen. Auch ich sehe Nachrichten und bekomme auf der Straße mit, was so los ist auf unserer Erde, in unserem Land, in meinem Umfeld. Selbstverständlich beschäftige ich mich nicht 24 Stunden am Tag nur mit meiner Krankheit und Endlichkeit. Selbstverständlich habe ich viele ganz andere Dinge im Kopf. Nur weil ich vermutlich krebskrank und nicht urralt eines „natürlichen“ Todes sterben werde, beschäftige ich mich nicht nur noch mit schönen und angenehmen Dingen oder ausschliesslich mit meiner Situation. Das wäre weltfremd und blind. Die Situation ist ein Bestandteil meines aktuellen Lebens, aber eben nicht der Einzige.
    Ich habe das große Glück, Menschen in meinem Umfeld, Freundeskreis zu haben, die das ebenso sehen. Meine Situation ist Bestandteil der Beziehung zu anderen Menschen, aber auch hier eben nur ein Teil. Wäre ich nicht in der Lage mich auch mit anderen Themen zu befasssen, mich für Anderes und Andere zu interessieren, wäre das recht traurig. Das Leben besteht eigentlich nie aus nur einer einzigen Sichtposition und daran ändert auch meine Situation nichts.
    Mag sein, dass dies Menschen, die in ihrem Umfeld niemand haben der in so einer Situation wie ich lebt, davon nichts wissen und sich das nicht vorstellen können. Aber eigentlich gibt es heute in jeder Ecke und in jedem Menschenverband jemanden der mit Krebs oder einer anderen ähnlich schweren Erkrankung zu tun hat.
    Ich habe das große Glück, die ärztlichen Vorhersagen nicht erfüllt zu haben. Man hat mir vor ca. 5-6 Jahren nur noch knapp zwei Jahre Lebenszeit prophezeit, Ich bin noch immer da. Es geht mir noch immer, für die medizinischen Tatsachen, außerordentlich gut. Ich bin froh und glücklich darüber, mich nicht aus- schliesslich nur mit Krankheit, Pillen, Ärzten und Befunden befassen zu müssen. Ich geniesse es sehr, auch andere Dinge in meinen Kopf lassen zu dürfen und zu können.
    Ich lerne ständig neue Menschen kennen. Ich mache mir Gedanken um alles mögliche. Ich bin froh, dass ich das alles noch kann und das hat mit Langeweile so überhaupt nichts zu tun. Menschen die sich ständig und ausschliesslich nur um sich selbst drehen und sich mit anderen Dingen nicht auseinandersetzen können oder wollen, tun mir leid. Ganz egal ob krank oder gesund. Selbstverständlich habe ich, aufgrund meiner Situation, zu manchen Dinge eine andere Meinung als ich selbst früher oder eben gesunde Menschen. Das hat aber an meinem Umfeld und den Menschen darin, oder wie diese Menschen mit mir und ich mit ihnen umgehe, nichts geändert.
    Zu der Zeit als mein Umfeld, ich selbst und auch die Ärzte davon überzeugt waren, dass es das nun war mit meinem Leben, habe ich mich ganz bewußt, innerlich von vielen Dingen und Menschen verabschiedet. Das gibt mir heute eine gewisse innere Freiheit und ich bin froh, den Tatsachen schon mal so direkt in die Augen gesehen zu haben.
    Wer nun welche Gedanken und welches Verhalten von mir erwartet, ist mir reichlich egal. Ich lebe mein Leben und das sehr bewußt. Dazu gehören auch mal Themen die Andere vielleicht so gar nicht verstehen oder interessieren, oder die eben mit meiner speziellen Lebenssituation nichts zu tun haben.
    Außerdem ist dies mein Blog. Das ist zwar öffentlich, aber ich kann und darf hier schreiben was und wann ich will. Ich kann auch Kommentare und Texte löschen, wann immer mir danach ist. Ich nenne hier keine Namen und ich diffamiere nicht. Meine Texte sind jugendfrei und verletzen auch ansonsten keine Gesetze. Ich achte Persönlichkeitsrechte und geniesse ansonsten die Freiheit hier zu schreiben, wann ich ich will und zu allen Themen, wonach mir gerade der Sinn steht. Ich verdiene damit kein Geld und verfolge keinerlei Fremdinteressen. Ich erfülle keine Erwartungen.
    Mein Blog eben.
    Ich setze voraus - wer ein Blog liest, weiß auch was ein Blog, im Gegensatz zu einem Block, ist und wer das nicht weiß, sollte das unbedingt nachlesen bevor hier kommentiert wird.
    Das Lesen hier ist freiwillig !!

  • Kleidungsdiktatur

    Kleidungsdiktatur

    Ich spreche hier absichtlich nicht von Modediktat. Denn es geht mir um die ganz normale Alltagskleidung und nicht das, was als Mode bezeichnet wird. Vor allem bei den männlichen Wesen.
    Mode bedeutet bei Männern höchstens mal eine andere Kragenform bei Hemden oder Jacken. Oder ganz mutige Muster und Farben bei Kravatten. Aber das war es dann auch schon weitgehend mit der Mode.

    Wir Frauen tragen selbstverständlich Hosen, Röcke und Kleider. Kurze, mittellange oder lange Hosen und Röcke. In allen Farben und Mustern. Weit und eng. Bunt gemischt, farblich abgestimmt, oder mit krassen Gegensätzen.

    Mönner dürfen nur Hosen tragen. Das auch nur innerhalb einer sehr bescheidenen Farbpalette. Schwarz, weiß, dunkelblau und grau, vielleicht auch mal noch braun. Das war es schon weitgehend mit der Farbwahl. Kariert, gestreift, uni und ganz mutig, vielleicht auch mal gepunktet.
    Ein Mann mit Rock löst im Umfeld sehr fragwürdige Reaktionen aus. Männer sind was Muster und Farben angeht, mehr als eingeschränkt.
    Ich finde, es gibt auch für einen Mann durchaus plausible Gründe einen Rock zu tragen, ganz ohne damit irgendwelche Aussagen zur Sexualtiät machen zu wollen. Das gilt auch für Farben und Muster. Aber das Kleidungsbild eines Mannes löst (vor allem in der westlichen Gesellschaft) irgendwie ganz andere Assotiationen aus. In anderen Ländern, Kulturen, tragen Männer ganz selbstverständlich auch Röcke und Kleider. Zwar auch in Form und Farbe recht eingeschränkt, aber eben ohne diese Aussage zur Sexualität.
    Das gilt auch für Farben und Muster. Blümchenhemden darf hier nur der Herr von Lippe tragen. Rosa Anzüge und pinke Hemden werden gerade mal noch bei Herrn Joop akzeptiert und der hat seine Aussagen über seine Sexualität ja eh öffentlich breitgetreten. Rock, bzw. Kleid und Bart, wird bei Conchita Wurst gelobt und bewundert und da soll es auch eine klare Aussage darstellen.
    Aber wirklich ausgelöst hat Frau /Herr Wurst damit so rein gar nichts. Da wurde kurz mal sehr viel drüber gesprochen und berichtet. Das war es dann aber auch schon. Das hat noch lange nichts ausgelöst oder für Männer geändert. Irgendwie trauen sich das offensichtlich nur Männer, die schon in einer „Sonderstellung“ sind oder sie sind eben durch genau diesen Kleidungsstil dorthin geraten. Ob sie dahin wollten oder nicht, sei dahingestellt.

    So wirklich verstehen kann ich das nicht. Warum lassen sich Männer in so ein Kleidungsdiktat pressen. Warum tragen die nicht einfach auch wonach ihnen gerade ist ? Kleidung ist ja auch eine Form von Freiheit. Wir Frauen nutzen Kleidung auch als Ausdrucksmittel. Warum machen Männer das nicht ? Warum wird ein Mann im Rock bei uns komisch beäugt ? Es gibt durchaus immer mal wieder Designer die Röcke für Männer ins Schaufenster stellen, aber auf der Straße sieht man das doch sehr, sehr selten, bis überhaupt nicht. Obwohl es schöne und männliche Exemplare von Röcken und Kleidern zu kaufen gäbe.
    Der Kleidungsstil des Durchschnittmannes ist doch mehr als langweilig und eintönig. Keine Frau würde sich solch einem Diktat unterwerfen. Und das hat mit Mode an sich, noch überhaupt nichts zu tun.
    Da wird ständig von Gleichstellung und Gleichbehandlung gesprochen, aber die Männer lassen sich dieses umfassende Diktat ohne jegliche Gegenwehr seit vielen, vielen Jahren einfach gefallen und unterwerfen sich.

    In der Geschichte gab es durchaus Zeiten in denen der Kleidungsstil der Männer wesentlich vielseitiger und uneingeschränkter war und deshalb nicht für weniger männlich galt.
    Es gibt auch heute noch einige Kulturen in denen auch Männern Farbe und ein freier Kleidungsstil zusteht.
    Es gibt Länder/Kulturen in denen die Frauen einem gewissen Kleidungsdikatat unterliegen. Das allerdings ruft immer wieder Empörung hervor und wird teilweise heiß diskutiert.

    Ich persönlich finde es für die Männer schade, dass sie diese Form der Ausdrucksmöglichkeiten nicht nutzen. Außerdem hat es auch mit Bequemlichkeit und persönlichem Komfort zu tun. Also ich wollte im Sommer nicht mit dunklen langen Hosen und geschlossenen Schuhen rumlaufen müssen. (Die Schlabberbermuda mit Tennissocken und Sandalen, sind nicht die Alternative die ich meine.)
    Über das Bekleidungsdiktat dem die männliche Bevölkerung bei uns unterliegt, wird nicht diskutiert. Warum eigentlich nicht?

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