Heute war nun der vierte „Spezialistentermin“ wegen meiner Hüftschmerzen. Endlich mal ein Arztermin wie ich ihn mir vorstelle. Gespräch, Untersuchung, Bilder ansehen und besprechen. Dann kam der Chef noch dazu und das Ganze nochmal von vorne, weil er sich natürlich auch selbst ein Bild machen wollte.
Es sieht so aus, als kämen meine Beschwerden nicht nur von den Metastasen die durch das Becken in die Hüftgelenkpfanne durchbrechen, sondern auch durch die Mistdinger in der Wirbelsäule.
Der Chef meinte, in dieses Hüftgelenk zu spritzen wäre viel zu gefährlich und würde auch nichts bringen. Meine bisherige Weigerung bei allen anderen Spezialisten, war also genau richtig und auch sinnvoll.
Nachdem der erste Spezialist mir erklären wollte, im Hüftgelenk gäbe es keine Schleimbeutel und ich hätte noch keine ausreichende Arthrose um zu operieren, die zweite spezialisierte Anlaufstelle mir erklärt hatte, sie machen nichts und bei einer Gelenkspiegelung wäre ihnen das Risiko der Metastasenverschleppung zu hoch, der dritte Spezialist mir im zweiten Satz erzählt hatte, seine Frau sei vor 10 Jahren an Brustkrebs gestorben und alle Drei mir Krücken oder Rollstuhl angeboten haben und vor allem in Gelenk spritzen wollten, war das heute erfrischend anders und vor allem endlich mal gründlich, logisch, schlüssig und nachvollziehbar.

Freitag habe ich Termin in der Strahlentherapie. Ich hoffe, bei dem Termin wird dann festgelegt ob Wirbelsäule und Becken/Hüfte gleichzeitig bestrahlt werden, bwz. wie groß das Bestrahlungsgebiet sein wird und mit welchen Werten und dann geht es hoffentlich bald los.
Es gibt Patienten, bei denen bessern sich schon nach der dritten Bestrahlung die Schmerzen und mehr will ich ja überhaupt nicht erreichen. Mein Krebs ist viel zu weit fortgeschritten um irgendwelche großen Ziele anzupeilen. Speziell die Knochenmetastasen habe sich ja bisher von absolut keinem Mittel bremsen lassen und ich sehe in der Bestrahlung eine echte Option. Zumal das eine der wenigen Behandlungen ist, die ich noch nicht hatte und der ich offen gegenüber stehe.
Da ich nun in der Uniklinik gelandet bin, in der ja fast alle Disziplinen unter einem Dach sind, hoffe ich, die Absprache wegen des Addison mit dem Endokrinologen läuft auch ohne Probleme. Ich selbst kann absolut nicht einschätzen welchen Stress Bestrahlung für den Körper bedeutet und wieviel Cortison ich da substituieren muß. Wie lange jeweils nach der Bestrahlung der Körper Stress hat und wie stark, kann ich absolut nicht einschätzen. Ich hoffe, das kann ohne Probleme abgeklärt werden und ich muß da nicht rumexperimentieren.

Bestrahlung ist kein Spaziergang. Ich werde müde und schlapp sein. Das ist mir aber alle mal lieber, als wach und fit, aber durch Schmerzen und Bewegungseinschränkungen, komplett unmobil und mehr oder weniger ans Sofa geklebt.

Nächste Woche habe ich auch noch einen Termin in der Schmerzambulanz. Wobei ich hoffe, die Schmerzen mehr durch die Bestrahlung bekämpfen zu können als mit Pillen. Zur Zeit habe ich alle Schmerzmittel außer Ibuprofen abgesetzt, Ich kann mir das ganze Zeug auch zwischen die Zehen klemmen. Außer dem Ibu (3 mal 800 mg) wirkt zur Zeit nämlich so rein gar nix. Jetzt habe ich gut drei Jahre ein Morphinpräparat eingenommen und konnte es von einem auf den anderen Tag einfach weglassen. Damit ist mal wieder bewiesen, wenn das Morphin an den Schmerzrezeptoren andockt, weil da eben Schmerzen sind, gibt es keine Abhängigkeitsprobleme. Durch die wirklich starken Hüftschmerzen, spüre ich von all den anderen Schmerzen überhaupt nichts mehr. Mal sehen wie sich das entwickelt wenn die Bestrahlung tatsächlich statt findet und auch den gewünschten Erfolg bringt.

Dann habe ich mit viel Glück und Zufall, eine Wasserbettmatratze erstanden die genau in meine vorhandenes Bett paßt. Sobald ich mein Wohnzimmer wieder in Ordnung habe, wird das aufgebaut und ich freue mich jetzt schon unbändig auf die Nächte auf dem Wasser. Bevor ich die Matratze einbaue und befülle, muß ich allerdings das gesamte Bettgestell verstärken und vor allem gut abstützen. Isoliermaterial habe ich noch. Den zum Befüllen notweniden Conditioner habe ich von einer lieben Freundin bekommen und bald geht es los. Natürlich kann ich das alles wieder nicht alleine, aber ich habe das große Glück, mich auf Freunde verlassen zu können.

Meine Renovierung ist ansonsten abgeschlossen. Die Möbel stehen wieder an Ort und Stelle. Allerdings jetzt komplett ausgeräumt und ich muß mir jetzt erst mal noch einen Kopf machen, was ich in Zukunft wohin stellen will. Aber das geht jetzt langsam und mit viel Zeit und ich werde meine Kräfte sehr überlegt einteilen müssen. Aber außer mir, muß ja niemand das Chaos aushalten und mich stört das jetzt nicht wirklich.